Ferienakademie

Ferienakademie

Sommerferien-Akademie

„Deine Vergangenheit – Deine Zukunft“

Die Sächsische Schweiz im Wandel der Zeit


Zielgruppe:

Kinder- und Jugendliche der Altersgruppen 10 – 16 Jahre die Zusammensetzung der Gruppe soll gesellschaftliche Realität und Diversität abbilden

Dauer und Anzahl:

Das Feriencamp wird 7 Tage stattfinden und es sollen zwischen 20 – 30 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge teilnehmen
23.08. – 29.08.2021, jeweils zwischen 10:00 Uhr und 17:00 Uhr


Kurzbeschreibung:

Es handelt sich um ein Feriencamp in der vorletzten Ferienwoche, bei dem die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen drei Exkursionen durchführen und ihre Region bezogen auf die Lokalgeschichte erforschen. Dabei besuchen sie drei Orte die jeweils für sich genommen für das Ende einer geschichtlichen Epoche im 20. Jahrhundert stehen. Die Kinder- und Jugendlichen setzen sich damit auseinander, welche Bedeutung das jeweilige Ende einer Epoche in der Region bzw. dem heutigen Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge hat. Sie gehen ebenso der Frage nach, welche Spuren diese Epochen auch gesellschaftlich im Heute hinterlassen haben.

1. Ende der Weimarer Republik (Königstein)
2. Ende des Nationalsozialismus (Pirna)
3. Ende der DDR (Hohnstein)

Durchführung:

Die Kinder- und Jugendlichen treffen sich an den 7 Tagen jeweils 10:00 Uhr im Büro des Roten Baum in Pirna. Es findet immer eine Exkursion und am Folgetag eine Nachbearbeitungs- und Recherchetag statt. Der siebende und letzte Tag wird für den Abschluss des Projektes benötigt.

Exkursion 1:

„Deutschland 1918 - 1933 und das Ende der Weimarer Republik“
Die Teilnehmenden unternehmen eine Exkursion nach Königstein und besuchen die Festung. Sie begeben sich in der Stadt und erkunden historische Orte die im Zusammenhang mit dem Ende der Weimarer Republik standen, wie zum Beispiel das Rathaus von Königstein. Wir begeben uns ebenfalls auf die Suche Straßennamen und Hinweistafeln, die aus dieser Zeit zeugen.
Grundlage der Forschungen ist ein Dokument von der Website des Lokalhistorikers Hugo Jensch (http://www.geschichte-pirna.de/Koenigstein.pdf) in dem genau diese Zeit des Umbruchs, bis hin zur Machtübernahme der Nationalsozialisten beschrieben wird.
Interessant sind auch die Diskussionen um die Förderung des Tourismus in und um Königstein, die auch Parallelen zu Vorschlägen bzw. der Situation im Heute aufweisen. „Ein Projekt der Stadtverordneten, den Lilienstein durch eine Seilhängebahn mit der Stadt zu verbinden, wurde 1931 vom Ministerium des Inneren und der Finanzen abgelehnt. Diese Attraktion hätte zahlreiche Touristen angelockt und vielen Erwerbslosen Arbeit verschafft, allerdings auch die Schönheit des Liliensteins beeinträchtigt. Ein weiterer Plan, eine Brücke über die Elbe zu bauen, wurde ebenfalls zurückgewiesen. Die meisten Betriebe der Fremdenindustrie mussten Angestellte entlassen. Es wurden auch Konkurse angemeldet.“

Dies in einer Zeit großer Verunsicherung bei gleichzeitigem Erstarken der NSDAP, bringt jede Menge Stoff für Diskussionen und Einordnungen für die Kinder- und Jugendlichen mit. Insbesondere am zweiten Tag zum Komplex „Ende der Weimarer Republik“ wird der Austausch und der Gruppenarbeit im Vordergrund stehen.
Unterstützt wird Exkursion, also auch die Gruppenarbeit durch eine ehrenamtliche und eine hauptamtliche Person. Für die ehrenamtliche Person fallen Honorarkosten an.

Exkursion 2:

„Deutschland 1933 – 1945 und das Ende des Nationalsozialismus“
Diese Exkursion findet direkt im Stadtgebiet von Pirna statt. Zahlreiche Berichte von Zeitzeug:innen erinnern an Vorgänge um die letzte Kriegstage in der Kreisstadt. Auch in diesem Fall, werden wir auf Forschungen des Lokalhistorikers Hugo Jensch zurückgreifen (http://www.geschichte-pirna.de/Krieg.pdf), wo unter anderem folgender Eindruck zu finden ist.
„Als sich am 8. Mai sowjetische Einheiten Pirna näherten, waren Wehrmachts-und SS-Einheiten längst über die Berge entschwunden, die Volkssturmleute hatten sich verkrümelt und nach Hause begeben. Die Schützengräben, MG-und Geschützstellungen waren ohne Mannschaftsbesatz. Nur vom Sonnenstein her schoss ein unbedarfter, irregeleiteter HJ-Trupp auf Menschen in der Stadt, tötete und verletzte dabei einheimische Bürger: Böttchermeister Otto Karsch, Emil Stöhn und Richard Theilig, waren die Opfer. Auch an einigen Punkten im Stadtrandgebiet fielen vereinzelt Schüsse auf heranrückende Einheiten der Roten Armee. Die Schießerei löste einen sowjetischen Fliegerangriff aus. Die Knabenschule in der Nicolaistraße, die Felsenkellerbrauerei, die Tannensäle und einige andere Gebäude wurden beschädigt. Es gab Tote und Verwundete.“

Nach der Kapitulation musste auch bei uns in Pirna das Leben wieder geordnet werden. Wir werden nach einer Ganztägigen Exkursion durch das Stadtgebiet von Pirna, mit verschiedenen Stationen, am darauffolgenden Tag, über die Eindrücke der Kinder und Jugendlichen diskutieren.

Exkursion 3:

„DDR 1949 - 1990 und das Ende des ‚Arbeiter und Bauernstaates‘“
Die Teilnehmenden fahren mit einer Exkursion nach Hohnstein. Dort erkunden sie die Burg und informieren sich über die Bedeutung der Burg zum Ende der DDR. „Zum Ende der DDR-Zeit gab es Pläne, in der Burg Hohnstein ein Internierungslager für bis zu 890 Gegner der SED-Herrschaft einzurichten.“ (Wikipedia.de)
Sie befassen sich dafür auch mit dem Text der Bundeszentrale für politische Bildung, der näher auf diese Pläne eingeht und diese Planungen einordnet.
https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/211831/kennwort-leuchtboje-das-geplante-isolierungslager-der-staatssicherheit-auf-der-burg-hohnstein

Im Verlaufe der Exkursion ist ein Gespräch mit dem Bergsportler und Ehrenbürger der Stadt, Bernd Arnold (angefragt) geplant. Dieser hatte die Möglichkeiten als Kletterer, schon zu DDR-Zeiten, einige Länder zu bereisen, vieles blieb ihm verwehrt. Dazu berichtet Wikipedia: „Bereits in den 1970er Jahren hatte er Einladungen des amerikanischen Bergsteigerverbandes zum Besuch der USA erhalten, die er jedoch nicht annehmen durfte. Nur in einigen wenigen Ausnahmen konnte er ins westliche Ausland fahren. In seiner Klettermannschaft berichteten zwei Gefolgsleute der SED über seine Kontakte zu namhaften westdeutschen Bergsteigern wie z. B. Wolfgang Güllich, Kurt Albert und Dietrich Hasse.“

Auswertung – Tag 7

Der Abschluss der kleinen Sommerakademie findet nochmals im Pirnaer Büro des Roten Baum statt. Hier werden die Ergebnisse der drei Exkursionen zusammengefasst. Besprochen wird auch, welche Parallelen in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche zu finden sind. Insbesondere wie diese Umbrüche das Leben der Menschen konkret verändern. Ebenso stellt sich die Frage wie weit diese Umbrüche Folgen für die künftigen Gesellschaften haben. Die Ergebnisse werden Dokumentiert in einem Erlebnisbericht für die Kinder und Jugendlichen zusammengefasst. Die Kinder und Jugendlichen erhalten eine kleine Urkunde als Jugendforscher.

Finanzielles:

Alle Eintritte, Mittagsverpflegung, gemeinsame Fahrten und Büromaterial werden übernommen.
Um möglichst allen Kindern und Jugendlichen eine Teilnahme zu ermöglichen, wird kein Teilnehmer:innen-Beitrag erhoben.
Das Projekt wird unterstützt durch das Förderprogramm “Partnerschaft für Demokratie” des Landkreises Sächsische Schweiz - Osterzgebirge

Anmeldung:

Mail (lutz.richter at roter-baum.de)