TISCHREDE DES VATERS ZU NELLYS JUGENDWEIHE

Ein blaues Band seh ich Dir eingewunden
In jenen Kranz der Jugend um die Schläfen
Der Dich heraushebt heut. Und viele Stunden
Wo Dich die müden Weiser nicht beträfen
Möchten Dir Vorrat sein zu eignem Sinnen
Ganz aus Dir selbst heraus. Man löscht in Häfen
Von schwerer Fracht das Schiff aus seinem Innen
Die Ladung geht an Land und neuer Fahrt
Anheim fällt darauf weiteres Beginnen
Dem Ozean wird neu Respekt gepaart
Und Reisefieber schnell in Dienst genommen
Die Zeichen stehen starr, doch ganz auf Start.
Ich Vater bin vom Thema abgekommen
Die Rede soll den Humanismus preisen
Vor fünf mal hundert Jahren kam der frommen
Und unerschrocknen Denkern ein. Sie heissen
Melanchton, Hutten, Zwingli, Brant, Erasmus.
Die finstre Zeit des Mittelalters weisen
Sie in die Schranken im Gedankenschluss
Zur Renaissance, wo Bürger mündig werden
Und Menschen menschlich sich im Bruderkuss
Ganz neu begreifen können hier auf Erden
Wenngleich auch damals noch das Himmelreich
Als Faktor allen Strebens immer schwer den
Gläubigen auf Haupt und Schultern, weich
Auch wohl die Knie oft machte im Verbund
Der klaren Trennung zwischen arm und reich
Doch tut sich damals schon den Bauern kund
Dass es dem Gott auch nicht gefallen kann
Wenn sie verhungern und ihr Fürst sich bunt
Im Ölportrait Unsterblichkeit gewann.
Die Kindheitsphase ist heut abgeschnitten
Es liegt verantwortliches Handeln an
Voll Rebellion und Trotz auf alle Mitten
Zu eigenständiger Bewertung sollen
Die jungen Menschen fähig sein, die Sitten
Sowohl bewahrn als hinterfragen wollen
Wir wissen nur zu gut welch schweres Erbe
Wir dieser Jugend lassen, wo in Stollen
Strahlender Abfall rostet und das herbe
Abtaun der Pole unsre Atmosphäre
Soweit verändern kann dass nichts mehr geht
Wir haben den Planeten, so als wäre
Das selbstverständlich, dass er’s übersteht
Von unsern Kindern griffig ausgeliehen
Die Wechsel auf die Zukunft sind verweht
Sie platzen in den Taschen noch vorm Ziehen.
Der unruhvollen Jugend Privileg
Das sei auch Dir mein Kind, durch alle Mühen
Von mir als Vater immer Deinem Weg
Dazugebunden, dass Du kritisch fragen
Auch anders sollst als ich das Mass anleg
Dem Humanismus schwörn seit vielen Tagen
Sich auf der ganzen Erde Menschen ein
Die Welt soll menschlich alle Menschen tragen
Und was es heisst ein Humanist zu sein
Erweist ich dabei oft an kleinen Dingen
Dem Schwächeren zu helfen, auch allein
Gerechtigkeit vor allem zu erzwingen
Und höflich und respektvoll aufzutreten
Zivilcourage dann auch mitzubringen
Wenn Angst regiert und andre Kränze beten
Systembedingt kann man jetzt alles kaufen
Der Mensch wird Ware, Trug liegt auf den Städten
In dieser miesen Welt lerntest Du laufen
Und lesen, singen, alles, ach was wäre
Uns alles eingefalln, nicht abzusaufen
Mit dem Diktat des Kapitals ins Leere
Wo einzig Geld noch zählt und ein Profit
Der neuerdings auch nur noch als Chimäre
Dubiose Konten deckt und Wasser zieht
Die Börse steht tagtäglich auf der Kippe
Und die am Alten hängen gehen mit
Wenn Krieg man ruft, die gute alte Schippe
Der Wertvernichtung mittels Hexenherd
Omas Karl Marx.. sie beisst sich auf die Lippe
Um Dir mein Kind vielleicht mal unbeschwert
Und ohne Überangebot zu zeigen
Was da seit Jahren unterm Teppich gärt.
Uns hängt der Himmel selten so voll Geigen
Wie heut zu Deiner, Nellys Jugendweihe
Im Jahr von Rio, wo die Völker neigen
Das Haupt an der Olympiaden Reihe
Im größten Fest des Friedens. Und den Spielen
Ist schon von alters Brauch dass man verzeihe
Dem kriegerischen Nachbarn mit den Vielen
Die hingemäht im Kampf verschwunden waren
Mit Pierre de Coubertins humanen Zielen
Olympias der Neuzeit lässt sich fahren
In eine Welt von friedlichen Nationen
Die nicht wie jetzt am falschen Ende sparen
Wo Rassen glücklich beieinander wohnen
Und höchstes Gut der Mensch vor allem ist
Das muss man leider immer noch betonen
In einer Zeit voll Gram und Bruderzwist
Von Flüchtlingslagern, Fremdenangst und Neid
Womit das Fernsehn jeden Tag beschliesst
Bis man das nicht mehr hören kann und Leid
Nicht mehr an sich heranlässt, man sich blockt
Und nicht mehr umgehn kann mit seiner Zeit
Da ist dann schnell ein Vierteljahr verzockt
Bis man sich wieder als humanes Wesen
Zu sehn vermag, das nicht im Abseits hockt
Klar ist man schnell am Fliederduft genesen
Und wenn die Rosen erst die Blüten breiten
Auch lässt sich viel in Margeriten lesen
Vielleicht ist jemand da, Dich zu begleiten
Die Liebe macht behend den Unterschied
Ich wünsch Dir viel davon, von allen Seiten
Und daß Du sie vielleicht auch in ein Lied
Zu übersetzen klar kommst am Klavier
Es folgt die Muse dem nicht, der sie flieht
Man muss sie greifen und sie dankt dafür
Und noch ein Korb an Rosenblättern sei
Dir übers Haupt gekippt im Festspalier
Du sollst Dich selbst gut fühlen und das frei
Des Vaters Rede geht mit einem Gruss
An seine Nelly! Noch ein dicker Kuss!

Dresden, den 18.Juni 2016

Wir bedanken uns bei Nelly und ihrer Familie für´s zur Verfügung stellen dieser hübschen Rede.